You can’t stop the waves!

Leadership inspired by Seamanship 2016/1, Tage 2 und 3:
Nach einer ruhigen Nacht mit einem beeindruckenden Panorama auf das Blitzfeuerwerk vorbei ziehender Gewitter staunten Bob und ich an diesem Morgen nicht schlecht, als wir uns um 06:30 zu unserem Tagesbriefing trafen: die komplette Mannschaft war seit 6 Uhr auf den Beinen (und das außerhalb des Alltags!) und startete gerade zu einer morgendlichen Sunrise-Erkundung der Insel. Tja, Inspiration und Begeisterung, so erarbeiteten wir nachher, sind einfach der beste Sprit für Motivation.
Nach Rückkehr und Frühstück übernahm der Tagesskipper – jeder Teilnehmer hat diese Rolle für einen Tag inne, um sich darin unter coachender Begleitung auszuprobieren – das Kommando und es folgte, auch Dank der Checklisten, die das Team am ersten Tag begonnen hatte, ein Bilderbuch Ablegemanöver aus dem recht engen U-Boot Bunker.

Der Wind wehte heute deutlich stärker und das Wasser war etwas bewegter. In diesen Konditionen starteten wir, angekündigt, das erste Mann-über-Bord-Manöver, bei dem eine Boje vom fahrenden Schiff fällt, die möglichst schnell wieder an Bord gebracht werden muss. Eine perfekte und komplexe Übung, um, unter Stress, Führung, Teamwork, Kommunikation, Koordination, Effizienz und viele weitere im Business Alltag wichtige Faktoren zu trainieren.
Nach Reflektion der für den ein oder anderen etwas ernüchternden Übung, die ab da immer wieder unangekündigt statt finden sollte, hieß es dann aber erst mal Segel hoch und mit kräftigem Rückenwind auf Kurs zum nächsten Tagesziel gehen. Alle erlebten live, dass dies schon andere Rahmenbedingungen, als am Vortag waren, die neue Reaktionen, verändertes Verhalten und regelmäßiges bewusstes Überprüfen zur optimalen und sicheren Zielerreichung erforderten – Dinge, die unter dem Alltagszeitdruck im Job oft unbeachtet bleiben und die Zielerreichung gefährden.
Und die Rahmenbedingungen änderten sich an diesem Tag permanent: nach einer Stunde wurde aus dem rasanten, angenehmen vor dem Wind Segeln plötzlich Windstille, gepaart mit Regen, klammer Kälte und schlechter Sicht. Dank voller Begeisterungstanks, hatte kein Teilnehmer ein Problem damit, sich diesen ungemütlichen Bedingungen auszusetzen.

Nach einer weiteren Stunde wurde das Durchhalten belohnt: schlagartig öffnete sich der graue Vorhang plötzlich mit einem leuchtenden Regenbogen und bei glasklarer Sicht mit blauem Himmel fuhren wir mitten ins Insellabyrinth der Kornaten ein. Am Ende des etwa 20 km tiefen, verwinkelten Telascica Fjords der Insel Dugi Otôk lag der Zielpunkt der heutigen Etappe. Den galt es nun, kreuzend unter kräftigem Gegenwind zu erreichen. Keine leichte Aufgabe für das noch junge Segelteam: zwischen den engen Felspassagen mussten die Wenden teilweise im Sekundentakt erfolgen – eine erneut optimale Situation, um auf unbekanntem Terrain Erfahrungen zu effektivem und effizientem Arbeiten im Team unter Stress zu sammeln und zu trainieren.
Die letzen Meter vor dem Ankerplatz hieß es dann Segel runter, Motor an und durchatmen, allerdings nur kurz, denn Bob veranstaltete, vor dem Hintergrund der vermeintlich sichereren Zielerreichung, plötzlich noch mal ein wahres Mann-über-Bord-Manöver Feuerwerk – das der Mannschaft dann aber anfing, Spaß zu machen und, siehe da, ab diesem Zeitpunkt schon wesentlich erfolgreicher verlief.

Nach dem Ankern und erstmal Durchatmen ging es beim Debriefing, begleitet von einem traumhaften Sunset in der absoluten Stille und Einsamkeit von Telascica, um die ausführliche Reflektion des Jobs des Tages-Skippers und das Beleuchten der Begriffe Ziel- und Wegverantwortung bei Teamarbeit. Darüber hinaus erfuhr und trainierte das Team spezielle Methoden aus dem Hochleistungssport, die in Stresssituationen für die richtige Grundhaltung und damit für eine optimale Zielerreichung sorgen.
Folgende Kompetenzen wurden an Tag 2 besonders intensiv trainiert und weiter entwickelt:
Führungs-, Entscheidungs-, Management- Kommunikations- und Selbstführungskompetenz

Eine ruhige Nacht unter einem unglaublichen Sternenhimmel ging vorüber und Tag 3 stand unter der Überschrift:
Push your Limits – Umgang mit den eigenen Grenzen und Emotionen.
Nach einem morgendlichen Input zum Thema Umgang mit Emotionen begann das Team schon bei der von strammem Wind begleiteten Ausfahrt aus dem Fjord von Telascica, die am Vorabend identifizierten Verbesserungspunkte erfolgreich anzuwenden und war somit bereit für das nächste Level.
Dazu ging es aus den äußersten Kornaten Inseln hinaus in die offene Adria. Sehr intensiv erlebte die Mannschaft den Moment, in dem sich alles vor einem ins Unendliche öffnet und kein Land mehr am Horizont zu sehen ist. Der Augenblick völliger Loslösung, Freiheit und Möglichkeit war da – strahlende Augenpaare verrieten uns, dass die Stimmung passte. Gegen den Wind kreuzte das Team nun nach Süden, von dort sollte es durch den Kornati-Channel zurück nach Telascica gehen.
Schnell merkten Bob und ich, wie die Mannschaft unter Führung des Tagesskippers in einen guten Flow kam, und wir verschwanden dezent für die nächsten zwei Stunden unter Deck. In dieser Zeit nahmen Wind und Wellen stetig fast unmerklich zu, und das Gefühl des Hochseesegelns stellte sich ein: Wasser flog über die Bordkante, das Schiff ging in ein deutliches Auf und Ab und die Querlage vergrößerte sich kontinuierlich (siehe Blogfoto). Definitiv eine subjektive Grenzsituation für die Mannschaft, die die Julija in einer Mischung aus Begeisterung, Respekt und auch etwas Angst noch im Griff hatte. Bob und ich waren gespannt, ob das Team die Lektion vom Vortag zum Thema „regelmäßiger Check der Rahmenbedingungen“ verinnerlicht hatte. Und in der Tat: exakt im richtigen Moment beschloss unsere Truppe nach einem kurzen, effektiv geführten Abwägungsprozess, die Segelfläche zu reduzieren und damit wieder optimal, sogar schneller und gleichtzeitig etwas entspannter zu fahren – wir freuten uns: „You can’t stop the waves, but you can learn to surf them“ – unser Team war beim Segeln angekommen.
Nach diesem ersten recht abenteuerlichen Teil tauchten wir wieder in die Inselwelt ein, der Rest der Fahrt lief, bei perfektem Wind  genussvoll ab – natürlich nicht ohne noch ein kleines MOB (Man over Board) Manöver bei der Wiederankunft im geschützten Fjord von Telascica, der uns, vor dem Hintergrund der erneut angesagten nächtlichen Gewitter, als sicherster Platz in der Umgebung erschien.
Beim Debriefing drehte sich an diesem Abend alles um das Thema Selbstführung, Grenzerfahrung- und überschreitung und hilfreicher Umgang mit den damit aufkommenden Emotionen.
Folgende Kompetenzen wurden an Tag 3 besonders intensiv trainiert und weiter entwickelt:
Selbstwahrnehmungs-, Selbstführungs- und emotionale Kompetenz