Inspired by Airmanship 4

In der Luftfahrt gibt es ein ganzes Paket goldener Regeln, die dafür sorgen, dass Piloten ihre Flugziele sicher erreichen. Was wir von ihnen für Leadership, Business- und Privatleben lernen können, erfahren Sie in dieser Kolumne im JET-Blog:

No. 4
Take-offs should not exceed landings.
Deine Startzahl sollte die Deiner Landungen nicht übertreffen.

… oder auch:
Take-off is optional – landing is mandatory.
Starten ist freiwillig – landen unausweichlich.

Für Piloten trifft diese Regel natürlich im wahrsten Sinne des Wortes zu. Sie gilt aber auch für jeden außerhalb der Fliegerei:
Starte nicht, bevor Du sicher bist, dass Du auch das Landen beherrschst.
Stelle sicher, dass Du das nötige Werkzeug für die Landung hast: das Wissen, die Technik, die Erfahrung, das Training – und das Rüstzeug für Notlandungen.
Für letztere gilt übrigens in der Fliegerei:
Notlandungen dienen dazu, Leben zu retten und nicht Flugzeuge.

Verantwortungsbewusste Piloten, ob sie beruflich oder privat fliegen, starten deshalb nicht, wenn die Wetterbedingungen im Bereich des Zielortes, zum Beispiel durch Gewitter mit heftigen Turbulenzen oder durch zu schlechte Sichtverhältnisse keine sichere Landung ermöglichen.
Sie bleiben ebenfalls am Boden, wenn der Zielflugplatz von den Rahmenbedingungen ihre persönlichen Skills, also ihren Könnens-, Erfahrungs- oder Trainingsstand überfordert, zum Beispiel durch einen schwierigen Landeanflug oder eine sehr kurze, schmale und womöglich nicht ebene Landepiste. Natürlich gilt das gleiche, wenn die Leistungsdaten des Flugzeuges nicht passen, also beispielsweise die Landepiste für den genutzten Flugzeugtyp nicht lang genug ist.
Und ebenso startet kein guter Pilot, der nicht mental fit und trainiert für eine mögliche Notlandung ist.

Übertragen auf den (Business-) Alltag heißt das: starten Sie einen Prozess oder Projekt erst dann, wenn Sie in der Lage sind, es zu Ende zu führen und das abzuschließen, was sie begonnen haben.

Es geht bei dieser Regel der Fliegerei nicht darum, nur zu starten, wenn bei Sonnenschein, Traumsicht und Windstille die perfekte, vielleicht einfache Bilderbuchlandung machbar ist, und es geht auch nicht darum, den Flug nur in der Komfortzone des „alles Bekannten“ durchzuführen (das wäre ja langweilig). Es geht vielmehr darum, immer in der Lage zu sein, die existenziellste Phase des Fluges, nämlich dessen unausweichlichen Abschluss, aktiv und sicher gestalten zu können.
Dies kann nach dem Take-Off auch die bewusste Entscheidung zur Umkehr zum Startpunkt bedeuten, wenn sich die Bedingungen beim Flug als schlechter wie angekündigt erweisen.

Rahmenbedingungen checken gilt auch im Business, und zwar permanent. Wenn die plötzlich anders sind, als zu Beginn eines Projektes oder Vorhabens geplant oder angenommen, müssen Sie:

a) dies merken
b) passende neue und andere Entscheidungen treffen

Setzen Sie deshalb, wie ein Pilot, regelmäßig und vor allem zum Beginn neuer Abschnitte Check- und Messpunkte und prüfen Sie, ob die Instrumente und das Wetter, also Ihre Kennzahlen, Mitarbeiteremotionen, Marktrahmenbedingungen im grünen Bereich sind und treffen Sie bei Abweichungen neue Entscheidungen mit dem Ziel, wie auch immer, sicher oder im ungünstigen Fall zumindest notlanden zu können.

Wer einmal gestartet ist, hat sich (automatisch) dafür entschieden, landen zu müssen – da hilft nach dem Start kein Jammern und Zetern.
Entscheiden Sie deshalb bewusst, wie ein Pilot – und im Zweifelsfall nach dem Motto:

„Es ist besser, am Boden zu sein und sich zu wünschen, jetzt gerne dort oben zu fliegen, anstatt dort oben zu fliegen und sich zu wünschen, jetzt lieber am Boden zu sein.“

Foto: Adrian Bittner