Leadership inspired by Seamanship 1/2016, Tag 1:
Gestern Nachmittag trafen alle Teilnehmer in unserer Marina südlich von Zadar ein. Anstatt von lauem, mediterranen Wetter wurden sie jedoch erst einmal von waschechtem Schirocco empfangen, einem typischen, stürmischen Wind der Adria, der mit seinen 100 km/h Windgeschwindigkeit das Wasser selbst im gut geschützten Yachthafen zum Kochen brachte. Die Julija II, unsere 13 Tonnen schwere Segelyacht war darin mächtig in Bewegung – „Attention – the boat is rockin‘-rolling“ begrüßte Bob, unser englischsprachiger Skipper, schmunzelnd die Mannschaft, die beim Betreten des Bootes vom Dock über die schmale, schwankende Holzplanke ihre erste kleine Grenzerfahrung erlebte.
In der Yacht gab’s dann die ersten Wow-Ausrufe:
Von „Das ist ja viel größer, als ich dachte“ bis hin zu „Schön gemütlich hier drin, mit dem ganzen Holz – da vergisst man gleich den Sturm draußen“, war begeistert zu hören.
In lockerer Atmosphäre wurden erstmal die Kojen aufgeteilt, dann das Gepäck und die Lebensmittel für die Woche an Bord gebracht und in den schier unendlich vorhandenen Stauräumen der Julija II eingeräumt. Im Anschluss hatten alle ausgiebig Zeit, um bei einem frisch gebrühten Kaffee zu entspannen und langsam richtig anzukommen in dieser so völlig neuen Atmosphäre der im Sturm laut heulenden, klingelnden und knarzenden umliegenden Segelschiffe.
Es folgte der strukturierte, ausführliche Einstieg in die Woche mit vertieftem gegenseitigem Kennenlernen, Austausch von Erwartungen und Zielen und Informationen zum weiteren Ablauf, bevor der, Abend zwanglos in einem gemütlichen Hafenrestaurant mit kroatischer Küche ausklang.

Nach der ersten Nacht im kräftig schwankenden Schiff – entgegen der Befürchtungen der meisten sorgte dies scheinbar eher für einen besonders erholsamen Schlaf – dann die Überraschung am heutigen Morgen: da war es also, das mediterrane Wetter mit strahlend blauem Himmel, einer in der Windstille absolut spiegelglatten Wasseroberfläche (siehe Blogfoto) und angenehmer Temperatur.
Nach einer letzten Dusche in der Zivilisation und einem intensiven Briefing durch Skipper Bob war es so weit: es hieß Leinen los, die Julija II löste sich vom Land und schwebte, zunächst vom kaum hörbaren sanften Schnurren ihres Dieselmotors angetrieben, ganz langsam und sanft aus der Marina hinaus in die Inselwelt der Kornaten.
Für alle Teilnehmer ein besonderer Moment, die Welt ab jetzt für eine Woche aus einer anderen Perspektive, der des Wassers zu erleben, den sie unter coachender Anleitung bewusst und intensiv erlebten.

Der erste Teil der Tagestour stand unter der Headline „Boots-Handling“ unter Motor kennen lernen, bei dem eine Flut neuer Eindrücke auf die Mannschaft einprasselte, gepaart mit der Erfahrung, dass es neben dem im Business Alltag hauptsächlich genutzten Verstand hier mehr braucht: nämlich die Aktivierung von Gefühl, Körperbewusstsein und allen Sinnen.

Pünktlich zum Ende dieser Übung hatte sich der Wind eingeschaltet, es folgte ein weiterer magischer Moment, als der Motor verstummte und die Julija nun unter ihren vollen 120 qm Segelfläche lautlos, nur begleitet vom Rauschen des Wassers, Fahrt aufnahm und sich in die Brise legte. Die nächste Erkenntnis folgte: ja, man kann mit einem Segelschiff auch ziemlich gegen den Wind fahren – „nicht er bestimmt die Richtung, sondern wie Du die Segel setzt“.
Dieses Segel(um-)setzen im Team unter Bedienung aller Leinen und Winden zu lernen, stand als nächstes an, denn wer gegen den Wind kreuzt, der muss ab und zu mal wenden. Nach einer actionreichen Phase mehrerer Wenden war schließlich keine Insel mehr vor dem Bug der Julija und es stand ein längerer „Schlag“ am Stück von rund 2 Stunden an, bei dem sich alle erst einmal zurücklehnen konnten.

Für viele war dies jedoch schon die nächste Herausforderung: „Schnell“ unterwegs sein, das heißt auf solch einer Segelyacht mit etwa 15 – 20 km/h vorwärts kommen – was auf dem Wasser sehr zügig, beim Blick Richtung Land oder auf die Karte aber erschreckend langsam wirkt.
Die Langsamkeit des Segelns kennen zu lernen, sich darauf einzulassen und es auszuhalten, einfach einmal nichts zu tun, bringt viele Teilnehmer zunächst immer wieder zum „nervös mit den Hufen scharren“. Aber irgendwann passiert es dann: das Zeitgefühl und die Wahrnehmung verändern sich und ganz schleichend kommt man immer mehr ins Hier und Jetzt.
In diesem angenehmen Zustand ging es jetzt an einem besonders schönen Platz am Bug der Julija mit den ersten Vier-Augen Coachings los, die das Segeln täglich begleiten sollten. Am ersten Tag mit Unterstützung eines Persönlichkeitsverfahrens unter dem Leitgedanken „Wie ticke ich selbst?“

Zum Ende der Coaching Sessions hatte sich eine postkartenverdächtige Abendstimmung entwickelt, in der ganz romantisch vereinzelt ein Fischerboot vor der mächtigen Felskulisse des gelblich glühenden kroatischen Küstengebirges seine Bahn zog. Als sei das nicht genug, tauchten plötzlich vor uns mehrere Delfine spielend aus dem gold glänzenden Wasser auf – der Moment größter Begeisterung des Tages, an dem sich alle endgültig aus dem daily Business gelöst hatten, war spätestens damit erreicht.
Genau in Richtung der untergehenden Sonne lag vor uns jetzt unser Tagesziel, ein einsamer, verlassener U-Boot Bunker aus der Zeit des alten Jugoslawien, der vor dem Hintergrund vereinzelter prognostizierter Gewitter für die Nacht ein sehr sicherer Platz war.

Nach dem Anlegemanöver tauchten alle in die ganz besondere Stimmung dieses geschichtsträchtigen Ortes ein, vor dessen Kulisse wir im Debriefing die segel- und leadershiptechnischen Erkenntnisse, Erfahrungen und Learnings dieses ersten randvollen Tages aufarbeiteten, der im Anschluss mit einem in der Kombüse der Julija II gekochten, leckeren Abendessen entspannt und vor allem wohlig müde ausklang.
Folgende Kompetenzen wurden an Tag 1 besonders intensiv trainiert und weiter entwickelt:
Selbstwahrnehmungs-, Selbstführungskompetenz.

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