Krise = es sortiert sich neu

Hard times create strong men, 
Strong man create good times, 
Good times create weak men, 
Weak men create hard times. 

Hätte mich Mitte Februar jemand gefragt, in welcher dieser Zeilen ich unsere westliche Gesellschaft sehe, so hätte ich die vierte genommen.
Heute sieht es so aus, als schließe sich der Kreis und wir sind wieder in der ersten Zeile angekommen: die Dinge sortieren sich neu und es stellt sich die Frage, wer ist „Ready to prepare for a new Take-Off“?

Eigentlich sollte ich, während ich diese Zeilen schreibe, gerade mit drei Teilnehmergruppen im Rahmen von Leadership inspired by Seamanship im kroatischen Mittelmeer unterwegs sein – drei Wochen auf die ich mich tierisch gefreut hatte.
Diese Planung starb im Rahmen der Grenzschließung Kroatiens und Sloweniens am 13. März, direkt gefolgt von der Ausrufung des Katastrophenfalls bei uns hier in Bayern. 

Drei Wochen mit Herzblut geplante Arbeit und Business mit tollen Teilnehmern, bei und mit denen ich viel hätte bewegen können, mit einem Schlag weg – alles weitere bis mindestens zur Jahresmitte in Frage gestellt. 
Irgendwie fühlte ich mich kurz ein wenig wie Hudson-Captain Sully, als ihm ohne Vorwarnung direkt nach dem Start in New York La Guardia mitten über der Stadt in niedriger Höhe alle Triebwerke durch Vogelschlag ausfielen – auch wenn seine Situation natürlich wesentlich existenzieller war.
Ähnlich wie mir bei Corona und den damit verbundenen Umständen war ihm damals sofort klar „Für diesen Fall passt erst mal keine der bestehenden Checklisten“.
Sully stellte sich die für Piloten in solch einer Situation einzig sinnvolle Frage und das tat ich nun auch:
Welche Systeme laufen und was kann ich jetzt tun?
Die Antwort darauf zeigte mir natürlich schnell, dass in meinem Fall deutlich mehr der lebensnotwendigen Funktionen in Takt waren und ich, Dank einer mit Reserve kalkulierten (Lebens-) Flugplanung kombiniert mit der Grundhaltung, dass mein Wohlstandsempfinden nicht von materiellen Dingen abhängt, weit davon entfernt war und bin, in irgendeinem Gewässer notlanden und baden gehen zu müssen. Nennen wir meinen Fall mal „eine herausfordernde Landung mit Vollbremsung und einer anschließenden etwas längeren Bodenzeit“…
… die ist es ja für einen Großteil der Piloten dieser Welt nun tatsächlich erst mal geworden ist.

Und wieder die Frage: Was kann ich jetzt tun?
Die Antworten darauf waren für mich schnell gefunden: Helfen, wo immer ich kann und endlich zu Hause all die Dinge tun, die ich schon seit langem „mal machen wollte… sollte…“
Und ratzfatz waren der eben noch leere Terminkalender und die To-Do Liste schon wieder voll. 
So ist neben vielen Emergency-Coachings und Support von Führungskräften und Mitarbeitern, deren Unternehmen kräftig von den Corona Turbulenzen gebeutelt werden oder gar ins Trudeln geraten sind, Hilfe für Familie, Nachbarn und Freunde, das Projekt „Relaunch JET Homepage“ entstanden und mit dem Schreiben dieses Posts abgeschlossen – Danke in diesem Zusammenhang an meine äußerst geduldige liebe Schwester und Digital Therapeutin Anitra Eggler und an Felix, für den Support dabei.

Diese ersten drei „Katastrophenfallwochen“ haben dazu geführt, dass ich aus meiner Sicht zusammen mit anderen so viel wesentliches bewegt habe (und auch mich so viel wesentliches bewegt hat) wie schon lange nicht mehr, ich viel gesteigerte Dankbarkeit für scheinbar selbstverständliche Dinge empfinde, die Qualität meiner zwischenmenschlichen Beziehungen stark zugenommen hat (von wegen „Social Distancing“ – ich nenne es deshalb höchstens „Physical Distancing“), und und und…
So ist das halt einmal wieder außerhalb der Komfortzone:
Nicht immer einfach, manchmal anstrengend und kurz beängstigend – am Ende aber, wenn man die Dinge in die Hand nimmt, immer intensiv und gut.


Mein nächstes Projekt rollt gerade auf die Runway.
Es trägt den Titel:
„Wer jammert, stürzt ab – Krisen meistern wie ein Captain“ 
Mit Krisen – in der Luftfahrt Emergencies/Notfälle genannt – richtig umgehen und sie sicher meistern, das gehört für Berufspiloten zum Grundhandwerkszeug. Genau deshalb ist die Luftfahrt heute eine der sichersten Transportmöglichkeiten der Welt.
Seitdem ich 15 Jahre alt bin, fliege ich und Krisen wie ein Pilot zu bewältigen ist für mich eine Lebenseinstellung geworden, die auch aktuell für mich gut funktioniert.
Was man aus den wichtigsten Emergency-Strategien der Fliegerei für’s Leben, privat oder beruflich, lernen kann, stelle ich Dir hier im Blog in der nächsten Zeit vor.
Ich wünsche Dir, für alles was kommt, den Fokus auf’s Wesentliche, auf die „Systeme, die laufen“, eine gesunde Portion Optimismus und Tatkraft und stehe Dir bei Bedarf gerne zur Verfügung.
Take-off and become the captain of your life!

Danke an meinen Winch & Wave Camp Teilnehmer Simon Grafenhorst für das Titelfoto dieses Posts:
Take-off in den spätnachmittäglichen Himmel der Haute Provence vor 6 Wochen. 




Über den Autor

Janik Eggler, fliegender Leaderhip Trainer und Business Coach. Über 13 Jahre selbst als Führungskraft, Bereichsleiter und Manager in der Telekommunikations- / Finanzdienstleistungsbranche im Daimler Konzern und der IKEA Gruppe durch dick und dünn gegangen. Seit 25 Jahren Trainer und Coach für Leader und Teams, seit 30 Jahren leidenschaftlicher (Berufs-) Pilot und Kunstflieger, sowie Fluglehrer.


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